Baugeschichte der Pfarrkirche
Die spätgotische Kirche von 1550
Die jetzige Pfarrkirche entstand in ihrem Hauptbau im Jahre 1550. Im Visitationsprotokoll von 1558 findet sich ein Hinweis darauf, dass acht Jahre zuvor ein Zehent um 25 Gulden versetzt worden war, dessen Erlös zum Bau der Kirche verwendet wurde. Der östliche Teil des Langhauses ist vermutlich noch älter und romanischen Ursprungs.
Der Neubau von 1550 erfolgte im spätgotischen Stil. Es wurde unter anderem ein Netzrippengewölbe eingezogen und die gotischen Fresken wurden überkalkt. Die beiden Seitenaltäre aus dem Jahr 1468 blieben dabei erhalten. Einer war dem Heiligen Johannes dem Täufer und dem Heiligen Nikolaus geweiht, der andere dem Heiligen Leonhard und der Heiligen Maria Magdalena. Später wurde anstelle des Leonhardialtars ein Sebastianialtar aufgestellt, was jedoch nach 1671 geschehen sein muss.
Das gotische Sakramentenhäuschen
Aus dem 16. Jahrhundert ist noch ein weiteres bedeutendes Ausstattungsstück erhalten: das gotische Sakramentenhäuschen von 1520. Aus hartem Kehlheimer Kalkstein gefertigt, stand es ursprünglich im Inneren der Kirche und belegt den gotischen Charakter der Kirche vor 1550. Seine Entfernung aus der Kirche erfolgte im 17. Jahrhundert, als ein großes Stück – die Säule, auf der das Häuschen ruhte – für die Grundmauer des Pfarrwohnhauses verwendet wurde. Bei der Pfarrhausreparatur 1898 wurde dieser besondere Grundstein wiederentdeckt. Das Sakramentenhäuschen steht heute in ruinenhaftem Zustand an der südlichen Außenwand der Kirche, wobei einige Teile, namentlich die Rippen, fehlen oder zerbrochen sind.
Die barocke Umgestaltung im 18. Jahrhundert
Im Zeitalter des Barocks erfuhr die Kirche im 18. Jahrhundert eine vollständige innere Umgestaltung. Sie erhielt große Bogenfenster und Barockaltäre. Im Jahr 1733 wurde die Seelenkapelle erbaut – vermutlich fällt auch der innere Umbau der Kirche in dieses Jahr, da sich Pfarrer Augustin in diesem Jahr vom fürstbischöflichen Ordinariat die Erlaubnis zum Messelesen in der neuerrichteten Seelenkapelle erbat.
Der Kirchturm wurde 1762 errichtet und ist dem Langhaus an der Westseite vorgesetzt. Die Türe im Untergeschoss trägt die Jahreszahl 1762, das Obergeschoss ist mit toskanischen Pilastern besetzt. Im selben Jahr scheint die Kirche auch verlängert worden zu sein und es wurden zwei neue Seitenaltäre erworben.
Regotisierung im 19. Jahrhundert
Unter Pfarrer Müller (1865−1897) wurde das Presbyterium wieder in den ursprünglichen gotischen Zustand versetzt. Er ließ die Fenster umgotisieren und kaufte einen neuen neugotischen Hochaltar an.
Pfarrer Lindinger unterwarf das Innere der Kirche in den Jahren 1900 und 1901 einer gründlichen Renovation. Der Maler Johann Waldhauser von Oberpöring malte die Kirche in einfachen Tönen aus, der Hochaltar, die beiden Seitenaltäre und die Kanzel wurden frisch gefasst und vergoldet, der Ölberg und die Seelenkapelle ausgebessert. Der Schreiner Josef Schafhauser von Perling fertigte eine neue Emporbrüstung nach der Zeichnung des Pfarrers Wührer von Zenting sowie neue Chorstühle an. Zudem wurde eine große Anzahl der gewöhnlichen Kirchenstühle gründlich repariert.
Renovierungen im 20. Jahrhundert
Pfarrer Stephan Anderl ließ 1963 unter anderem die Seitenaltäre und den gotischen Hauptaltar entfernen und einen Mittelaltar aus Marmor aufstellen.
Die letzte und entscheidende Umgestaltung erfuhr die Kirche 1972/73 unter Pfarrer Johann Starnecker mit der Erweiterung durch das Querhaus. Die ursprünglichen Elemente der Gotik wurden mit dem modernen Baustil der Zeit von Diözesanbaumeister Alfred Zangenfeind und dem künstlerischen Leiter Leopold Hafner zu einer harmonischen Einheit geführt. Bei der Renovierung 1973 wurde auch die Zwiebelkuppe des Turms in etwas veränderter Form mit Kupferblech neu beschlagen.
Kirchturm und Turmuhr
Eine Kirchenuhr wird erstmals 1630 erwähnt. Die damalige Uhr wurde 1853 einer gründlichen Reparatur unterzogen. Im Jahr 1969 erhielt die Turmuhr ein neues Winkelwerk, sodass sie nach allen Seiten hin wieder die Zeit anzeigte. Bei der Turmrenovierung 1973 konnte neben dem neuen Glockenstuhl auch eine neue elektrische Uhr eingebaut werden.
Quellen:
Gotthard Oswald, Geschichte der Pfarrei Außernzell, in: Der Bayerwald in Vergangenheit und Gegenwart (1917) 3 – 18, 65 – 72, 100 – 103; (1918) 8 – 16, 53 – 60; (1919) 14 – 20. (Sonderdruck 1919 Cl. Attenkofer‘sche Buch- und Kunstdruckerei, Straubing | Neue Auflage 1996 OSTRA-Verlag W. Zizlsperger, Osterhofen)
Kirchenführer der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, hrsg. von der Pfarrei Außernzell, 1995.